Organvorfall / Prolaps
Physiologie
Bevor wir auf den nächsten Seiten detaillierter auf den Prolaps eingehen, möchten wir Ihnen zuvor die Funktion des gesunden vaginalen Stützsystems erläutern:
Die Vagina ist ein muskulärer Durchgang, der durch Muskeln und Bänder mit dem Beckengürtel verbunden ist. Dieses Geflecht aus Bindegewebsstrukturen und Beckenbodenmuskulatur stellt das Stützsystem für die Gebärmutter (Uterus), die Blase und, bis zu einem gewissen Grad, auch für den Enddarm (Rektum) dar. Eine operative Entfernung der Gebärmutter (Hysterektomie) erhöht das potenzielle Risiko eines Prolapses, da bei deren Entfernung häufig wichtige Stützbänder entfernt werden.
Bei Frauen kann der Prolaps in verschiedenen Formen auftreten, die auch gleichzeitig vorhanden sein können:
1. Scheidenstumpfvorfall: Dieser tritt auf, wenn das Gewebe nicht mehr genügend gestützt wird. Hierbei senkt sich der oberste Teil der Vagina (Apex) ab und zieht in der Folge den Rest der Scheide in den Vaginalkanal hinab oder sogar aus der Vagina heraus.
2. Gebärmuttervorfall (Prozidenz): Hierbei senkt sich die Gebärmutter, aufgrund einer fehlenden Unterstützung durch das Gewebe im Beckenbereich, in die Scheide hinein.
3. Blasenvorfall (Zystozele): Diese entsteht, wenn die Wand zwischen Blase und Vagina geschwächt ist, so dass sich die Blase in die Vagina hineinwölbt oder vorfällt.
4. Harnröhrenprolaps (Urethrozele): Bei einer fehlenden Unterstützung durch die Harnröhre (Urethra), welche den Urin von der Blase aus dem Körper transportiert, sackt bzw. wölbt sich die Harnröhre in die Vagina.
5. Rektumvorfall (Rektozele): Hiervon spricht man, wenn sich die untere hintere Vaginalwand, durch das Einsacken sowie durch den Druck der Vorderwand des Rektums verursacht, in die Scheide vorfällt oder sich hineinwölbt.
6. Darmbruch/Dünndarmvorfall (Enterozele): Dieser tritt auf, wenn sich der Dünndarm in die obere hintere Vaginalwand wölbt.
Zum besseren Verständnis, finden Sie hier eine Abbildung des weiblichen Unterleibs.
Seite drucken