Harninkontinenz
Ursachen
Harninkontinenz ist keine Krankheit, sondern ein Symptom, das unterschiedlich ausgeprägt sein kann und dem viele verschiedene Ursachen zu Grunde liegen können. Bei der Frau ist die Ursache der Harninkontinenz normalerweise eine geschwächte oder beschädigte Beckenmuskulatur oder ein geschädigtes Beckengewebe, welches verhindert, dass die Harnröhre eng genug abschließt, um den Urin in der Blase zu halten.
Um für Sie die bestmögliche Therapieform bestimmen zu können, muss Ihr Arzt nicht nur die Ursache, sondern ebenso die Art Ihrer Harninkontinenz abklären. Für diese Abklärung wird Sie Ihr Arzt eingehend untersuchen und einen vollständigen medizinischen Lebenslauf aufnehmen.
In der Regel wird Ihr Hausarzt oder Gynäkologe die ersten Basisuntersuchungen durchführen und Sie dann ggf. an einen Spezialisten (Urologen oder Urogynäkologen) überweisen. Dieser bedient sich im Rahmen der erweiterten Diagnostik einer Vielzahl von Testmethoden, die wir Ihnen unten erläutern werden.
Arten der Harninkontinenz
Generell wird die Harninkontinenz anhand der auftretenden Symptome in fünf Grundtypen eingeteilt, die sowohl unabhängig von einander als auch kombiniert auftreten können. In vielen Fällen leiden Patienten an Symptomen mehrerer Arten der Inkontinenz.
1. Belastungs- oder Stressinkontinenz:
Durch eine körperliche Aktivität (z.B. Heben, körperlichem Training, Niesen oder Husten) erhöht sich der Druck auf Ihre Blase bzw. Ihren Blasenschließmuskel. Diese Belastung führt zu einem unwillkürlichen Urinverlust. Die häufigste Ursache für eine Stressinkontinenz ist die mangelnde Unterstützung der Blase und der Harnröhre durch die umliegende Beckenmuskulatur und des Beckengewebes. Hierdurch kann es bei Druckausübung zu einer Hypermobilität als auch zu einer intrinsischen Sphinkterinsuffizienz kommen. Bei der Hypermobilität verlagern sich die Harnröhre und der Blasenhals von ihren normalen Positionen und können daher plötzliche Druckerhöhungen im Bauchraum nicht mehr kompensieren, so dass Urin ungewollt entweicht.
Eine intrinsische Sphinkterinsuffizienz (ISD) tritt auf, wenn der Blasenschließmuskel sich nicht mehr eng genug schließen kann, um den Urin während Anstrengungen in der Blase zu halten. Die Folge ist ein kontinuierlicher Harnverlust.
2. Dranginkontinenz:
In diesem Fall ist Ihr Blasenschließmuskel zwar funktionsfähig, aber Ihre Blase bzw. deren Detrusormuskel ist überaktiv. Hierdurch wird die Blase zu häufigen Kontraktionen veranlasst. Diese haben wiederum zur Folge, dass Ihre Blase keine normalen Urinmengen mehr aufnehmen kann und Sie einen ständigen, überwältigenden Harndrang verspüren. Häufig ist das Resultat ein unwillkürlicher Urinverlust (in der Regel bevor Sie eine Toilette erreicht haben). Dieser Zustand wird oft auch als „überaktive Blase“ oder „instabile Blase“ bezeichnet.
3. Gemischte Inkontinenz:
Diese zeigt sich, wenn Sie sowohl die Symptome der Stress- als auch der Dranginkontinenz aufweisen.
4. Überlaufinkontinenz:
Durch eine Verengung der Harnröhre wird es Ihnen erschwert die Blase vollständig zu entleeren. Hierdurch erhöht sich stetig die Urinmenge in Ihrer Blase. Dies führt zu einer Überdehnung und somit zum Verlust der Kontraktionsfähigkeit der Blasenmuskeln. Des Weiteren entsteht ein hoher Blaseninnendruck, der schlussendlich zur Öffnung des Schließmuskels führt. Die Folge ist, dass Sie (tröpfchenweise) Urin verlieren.
5. Funktionelle Inkontinenz:
Bei dieser Art der Harninkontinenz ist die Funktion Ihrer Blase / Ihr unterer Harntrakt in Ordnung. Die Gründe für Ihre Harninkontinenz sind physische und/oder psychisch funktionale Schwächen, wie bspw. fehlende Mobilität, die einen Toilettengang verhindert.
Ursachen von Harninkontinenz
Für eine Harninkontinenz kommen viele verschiedene Ursachen in Frage:
Schwangerschaft und vaginale Geburt:
Durch eine Schwangerschaft und/oder eine Geburt kann es zu einer Schwächung oder Schädigung der Beckenmuskulatur oder des Beckengewebes kommen. Infolgedessen kann die Muskulatur und/oder das Gewebe die Blase und die Harnröhre nicht mehr ausreichend unterstützen, wodurch diese von ihren normalen Positionen abweichen können. Die normale Funktion des Harntraktes wird folglich beeinträchtigt.
Alter und genetische Faktoren:
Sollten Sie an muskulären Verletzungen der Beckenmuskulatur leiden, so werden sich diese im Alter voraussichtlich verschlimmern. Jene Veränderungen der Beckenmuskulatur können ihrerseits zur Entstehung einer Harninkontinenz beitragen.
Krankheiten:
Die Ursachen einer chronischen Harninkontinenz können verschiedene Krankheiten oder Umstände, die den urinalen Schließmuskel schädigen oder schwächen, sein. Hierzu zählen Probleme am Rückenmark, wie z.B. eine Spina bifida (angeborene Fehlbildung der Wirbelsäule und des Neuralrohrs), eine Rückenmarksverletzung oder eine Fehlbildung der unteren Wirbelsäule (sakrale Agenesie). Aber auch neurologische Krankheiten, wie eine Multiple Sklerose, die Parkinsonkrankheit, ein Schlaganfall oder Diabetes können zur Harninkontinenz führen.
Infektionen und Medikationen:
Eine temporäre Harninkontinenz kann durch Harntraktinfektionen ausgelöst werden. Ebenso erhöhen bestimmte Medikamente die Wahrscheinlichkeit einer temporären Inkontinenz.
Fettleibigkeit:
Fettleibigkeit verursacht an sich keine Inkontinenz, trägt jedoch durch die Erhöhung des abdominalen Drucks zu deren Entstehung bei.
Rauchen:
Während Rauchen keine direkte Ursache der Inkontinenz ist, kann es Harninkontinenz doch verstärken.
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