Harninkontinenz
Behandlung & Arztbesuch
Als Betroffener müssen Sie die unangenehmen Folgen von Harninkontinenz nicht akzeptieren, sondern können aktiv etwas dagegen tun. Es gibt mittlerweile eine Vielzahl von Hilfsmitteln, aber auch effektive Behandlungsmöglichkeiten, die Ihnen einen normalen Alltag ermöglichen:
Absorbierende Produkte
Absorbierende Einlagen, Windeln und spezielle Bekleidung saugen den ausgetretenen Urin auf und verhindern somit die unangenehmen Folgen der Harninkontinenz, wie z.B. nasse Kleidung. Bevor Sie diese Produkte langfristig nutzen, sollten Sie jedoch mit Ihrem Arzt die Art und Ursachen Ihrer Harninkontinenz abklären.
Eine rechtzeitige professionelle Diagnose ist nicht nur wichtig, um ernsthafte Krankheiten auszuschließen, sondern auch, weil sich einige Betroffene durch das Tragen von absorbierenden Einlagen mit dem Leiden abfinden.
Dabei kann eine adäquate Diagnose und entsprechende individuelle Behandlung nicht nur die Folgen minimieren, sondern Ihnen in der Regel zu einem normalen Leben verhelfen.
Interne Harnauffangsysteme
Ein internes Harnauffangsystem, wie ein Katheter (ein hohler Plastikschlauch), kann für Sie als Patienten empfehlenswert sein, wenn bspw. sichergestellt werden soll, dass sich Ihre Blase in regelmäßigen Abständen leert und sich nicht überfüllt. Hierfür wird zeitweilig ein Katheder in Ihre Harnröhre eingesetzt. Diese Katheterisierung erfolgt mehrmals pro Tag in regelmäßigen Intervallen (normalerweise alle drei bis sechs Stunden).
Externe Hilfsmittel
Externe Harnauffangsysteme, wie z.B. externe Katheter, sind Produkte, die für Sie als eine kurzzeitige Behandlung von Inkontinenz nützlich sein können. Diese werden an den Schaft des Penis mit einem Latex- oder Schaumstoffband angeklebt und mit Hilfe eines Schlauchs an einen Urinsammelbeutel angeschlossen.
Als Mann gibt es für Sie zudem die Möglichkeit, mit verschiedenen mechanischen oder Kompressions- Hilfsmitteln, Ihren Urinfluss durch ein Zusammendrücken oder ein Verstopfen die Harnröhre zu blockieren. Mechanische Hilfsmittel sind beispielsweise Penisklemmen (z.B. Cunningham Klemme) oder Kompressionsringe.
Die Penisklemme hat ein V-förmiges Gehäuse mit einer Schaumpolsterung. Ist die Penisklemme geschlossen, stoppt sie den Urinfluss, ohne Beschwerden zu verursachen. Kompressions-Hilfsmittel sind justierbare Ringe die den Penis umringen und, wenn sie mit Luft aufgeblasen sind, den Urinfluss blockieren.
Ein unsachgemäßer Gebrauch von Penisklemmen und Kompressionsringen kann jedoch zu einer penilen und urethralen Abnutzung, penilen Schwellungen (Ödemen), Schmerzen und Blockaden führen.
Biofeedback/Elektrostimulation
Das Biofeedback/die Elektrostimulation wird angewandt, um Patienten ein gesteigertes Bewusstsein und eine bessere Kontrolle über die Muskeln im Harntrakt zu verleihen. Das Prinzip von Biofeedback ist einfach: Es werden elektronische Geräte benutzt, die geringe elektrische Signale, die von spezifischen Muskeln abgegeben werden, aufnehmen.
Bei der Behandlung von Harninkontinenz werden also die Impulse Ihrer Muskeln, die sich zum Urinieren zusammenziehen aufgenommen. Diese Muskelkontraktionen werden anschließend in auditive (hörbare) und/oder visuelle (sichtbare) Signale umgewandelt. Sie können hierdurch die Muskelaktivität wahrnehmen und lernen, diese bewusst zu kontrollieren.
Mit Hilfe von Biofeedback können schwache Muskeln auf Verlangen besser aktiviert, überspannte Muskeln entspannt und die allgemeine Muskelaktivität koordiniert werden.
Chirurgische Behandlungsmethoden
Sollten Sie unter der (männlichen) Belastungsinkontinenz leiden, so sind für deren Behandlung verschiedene chirurgische Verfahren möglich:
- Das Injizieren von Füllstoffen, wie beispielsweise Kollagen, in den urinalen Schließmuskel.
- Das Implantieren einer „male sling", einem Implantat, das entwickelt wurde, um die Muskeln um die Harnröhre zu unterstützen. AMS bietet zwei hoch effektive, minimalinvasive Verfahren, um leichte bis mittelschwere Belastungsinkontinenz zu beheben:
- Das Implantieren eines künstlichen Blasenschließmuskels, der die Funktion eines intakten, gesunden Schließmuskels imitiert. Zurzeit bietet AMS als einziger Anbieter einen künstlichen Blasenschließmuskel an. Das AMS 800TM System ist eine effektive Lösung zur Blasenkontrolle bei mittlerer bis starker Belastungsinkontinenz nach einer Prostataoperation.
Der Besuch beim Arzt
In der Regel kann Betroffenen von Harninkontinenz medizinisch geholfen werden. Befürchtungen, dass gegen das Problem nichts unternommen werden kann, stellen sich meist als unbegründet heraus. Scheuen daher auch Sie sich nicht davor, Ihren Arzt zu konsultieren und medizinische Hilfe anzunehmen!
Was erwartet Sie bei Ihrem Arztbesuch und/oder was können Sie vorbereiten, um Ihrem Arzt die Diagnose zu erleichtern?
Einen ersten Einblick liefern unsere Patienteninformationsfilme zu den unterschiedlichen Therapiemöglichkeiten der Inkontinenz. Hier wird Ihnen gezeigt und erklärt, was im Falle eines operativen Eingriffs auf Sie zukommt.
Rufen Sie uns unter 030 2064390 an und wir schicken Ihnen gern einen Film zu.
Eine Animation können Sie sich schon hier anschauen. Gehen Sie einfach auf den folgend Link.
das transobturatorische Band - Advance
der künstliche Blasenschließmuskel
Jeder Patient mit Harninkontinenz ist einzigartig und benötigt eine individuelle Inkontinenzbehandlung. Aufgrunddessen, dass es verschiedene Arten, Ursachen und Ausprägungen der Harninkontinenz gibt, wird Sie Ihr Arzt im Rahmen der Untersuchung eingehend zu Ihrer Krankheitsgeschichte und Ihren Gewohnheiten bezüglich des Wasserlassens befragen.
Es ist wichtig, dass Sie genau beschreiben, wann und unter welchen Umständen Sie Probleme bei der Harnkontrolle haben. Hierbei könnte Ihnen ein „Blasentagebuch“ helfen. In diesem notieren Sie vorab, wann Sie urinieren und wie viel Flüssigkeit oder Nahrung Sie zu sich nehmen.
Im Rahmen der weiteren Untersuchung wenden Spezialisten, wie Urologen, eventuell eine Vielzahl von weiteren Testmethoden an. Diese dienen der Messung von folgenden Faktoren:
- Wieviel Urin die Blase halten kann, bevor Sie urinieren.
- Die Kraft, mit der der Urin Ihren Körper verlässt.
- Der Druck in Ihrer mit Harn gefüllten Blase.
- Die Funktionsfähigkeit des urethralen1 Schließmuskels.
Gängige Tests
Folgende Tests sind gängig, um eine Diagnose für Harninkontinenz zu erstellen:
- Harnuntersuchung: Der Arzt untersucht Ihren Urin auf Anzeichen von Infektionen, Blut oder andere Abnormalitäten.
- Belastungs-Test: Hiermit wird der Urin gemessen, der austritt, wenn durch körperliche Aktivität, wie Husten, Niesen, Lachen, Beugen oder Heben, Druck auf Ihre Blasenmuskeln aufgebaut wird.
- Bestimmung des Restharns (PVR): Hierbei wird das Maß der Leerfähigkeit Ihrer Blase geschätzt.
- Urodynamischer Test: Mit diesem Test wird die Funktion Ihrer Blase und Harnröhre untersucht. In diesem Rahmen kann es sein, dass Ihnen ein kleiner Schlauch, z.B. ein Katheter, in die Blase eingeführt wird. Darüber hinaus kann es notwendig sein, dass Röntgenstrahlen eingesetzt werden, mit denen Ihre Blasenfunktion sichtbar gemacht wird.
- Zystoskopie: Diese ist eine visuelle Untersuchung Ihrer Harnröhre und Blase. Zu diesem Zweck wird Ihnen ein kleines Röhrchen, Zystoskop genannt, in die Harnröhre eingeführt.
Wählen Sie den richtigen Arzt
Für eine adäquate Behandlung ist es wichtig, dass Sie einen Urologen wählen, der nicht nur die neuesten Behandlungsmethoden kennt, sondern auch Erfahrung im Umgang mit diesen hat. Hier geht es zur Arztsuche.
Weitere Informationen finden Sie auch unter:
www.amsadvance.com und www.malecontinence.com
1 Urethral: bezieht sich auf die Urethra (Harnröhre).
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